Cardano (1501 – 1576) war Arzt, Astrologe, Mathematiker und Naturphilosoph und einer der letzten großen Universalgelehrten der Renaissance. Er hat sich intensiv mit Astrologie beschäftigt und unter den von ihm gedruckten Werken findet sich auch eine Reihe astrologischer Bücher. Auf ihn geht z. B. die astrologische Deutung der Stirnlinien zurück. Diese Autobiografie gibt einen tiefen Einblick in das Leben und Wirken dieses großen Astrologen. Cardano wollte die Prophetie auf neue, wissenschaftliche Beine stellen und dabei schuf er eine moderne Wissenschaft vom Menschen.

Girolamo Cardano (1501 - 1576) war Arzt, Astrologe und Mathematiker, der zu seiner Zeit eine erstaunliche internationale Bekanntheit hatte. In der Mathematik hat er wichtige Entdeckungen für die kompexen Zahlen und die Wahrscheinlichkeitsrechnung gemacht. Zu Lebzeiten verfasste er über 230 Bücher zu verschiedenen Wissensgebieten. Die Gesamtausgabe erschien 1663 in Lyon.
Meine Geburt
Nachdem, wie man mir erzählt, vergebens Abtreibungsmittel angewandt worden waren, kam ich zur Welt im Jahre 1501, am 24. September, als die erste Stunde der Nacht noch nicht vollendet, nur wenig mehr als zur Hälfte, aber noch nicht zu zwei Dritteln verflossen war. Die wichtigste Stellung der Figuren des horoskopischen Aspektes war so, wie ich sie im 8. Kapitel des als Anhang zu meinem Kommentar der vier astronomischen Bücher des Ptolemaeus gegebenen Buches der zwölf Nativitäten mitgeteilt habe. Ich habe festgestellt, dass damals die beiden großen Sterne Sonne und Mond unter bestimmten Winkeln niederstiegen und dass keiner von ihnen den Ort des Horoskopes beschaute, da sie sich an der 6. und an der 12. Stelle befanden. Es konnte auch, mit dem gleichen Resultat, einer von ihnen an der 8. Stelle stehen; er wäre dann im Sinken begriffen gewesen, ohne dass ein Winkel gegeben war, sodass man hätte sagen können: er steigt nieder außerhalb des Winkels. Und standen auch sonst keine unglückverheißenden Sterne innerhalb dieser Winkel, so schadete doch der Mars den beiden großen Sternen wegen der Ungunst ihrer Stellung, und da er vollends mit dem Mond im Geviertschein stand, so konnte ich sehr wohl missgestaltet zur Welt kommen. Des Weiteren aber, weil der Ort der vorhergehenden Konjunktion unter dem 29. Grad der Jungfrau lag, die den Merkur beherrscht, und da weder der Merkur noch der Ort des Mondes, noch der meines Horoskopes zusammenfielen und keiner von ihnen den vorletzten Grad der Jungfrau beschaute, so musste ich missgestaltet zur Welt kommen. Tatsächlich hätte es auch leicht geschehen können, dass ich zerstückt aus dem Leibe meiner Mutter kam; nur wenig hat gefehlt. So ward ich denn geboren, oder vielmehr aus der Mutter herausgezogen, fast wie tot, mit schwarzem, krausem Haar. In einem Bad heißen Weines, das einem anderen hätte gefährlich werden können, kam ich zu Kräften. Drei volle Tage war meine Mutter in schweren Geburtswehen gelegen. Schließlich kam ich doch lebend davon.
Um aber wieder auf mein Horoskop zurückzukommen: Da die Sonne und die beiden verderbenbringenden Sterne, auch die Venus und der Merkur, gerade in männlichen Zeichen des Tierkreises standen, behielt mein Leib normale menschliche Gestalt. Und weil der Jupiter am Ort des Horoskopes stand und die Venus Herrin der ganzen Konstellation war, so ward ich nirgends verletzt als an den Geschlechtsteilen, sodass ich von meinem 21. bis zum 31. Lebensjahre nicht mit Weibern verkehren konnte und oft darob mein trauriges Schicksal beklagt, jeden anderen um sein glücklicheres Geschick beneidet habe. Und obwohl, wie ich schon sagte, die Venus die ganze Konstellation beherrschte und der Jupiter in der Linie meines Horoskopes stand, ward mir doch ein wenig günstiges Los zuteil: Ich bekam eine etwas schwere, stammelnde Zunge und dazu eine geistige Neigung, die, wie Ptolemaeus sagt, zwischen einem kühl besonnenen Wesen und einer harpokratischen Natur.
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Volker Schendel 09.10.2025
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Er war nicht nur Arzt, Mathematiker, Naturphilosoph und Erfinder, sondern auch ein bedeutender Astrologe, dessen Prognosen und Horoskope bis in höchste politische Kreise Beachtung fanden. Seine Lebensgeschichte schilderte er in seiner Autobiografie Des Girolamo Cardano von Mailand eigene Lebensbeschreibung, einem Werk von außerordentlicher Selbstreflexion, das intime Einblicke in seine Gedankenwelt, seine Ambitionen und seine persönlichen Niederlagen gibt. Diese Autobiografie, erstmals 1885 von Hermann Hefele herausgegeben, ist heute unter dem englischen Titel The Book of My Life bekannt und wird oft gemeinsam mit weiteren autobiografischen Schriften und astrologischen Essays als Cardano’s Cosmos publiziert.
Geboren wurde Cardano in Pavia als unehelicher Sohn des Juristen und Mathematikers Fazio Cardano, der mit Persönlichkeiten der italienischen Humanisten- und Gelehrtenkreise verkehrte. Die Familie lebte in prekären Verhältnissen, und Cardano selbst schildert, dass seine Mutter versucht habe, die Schwangerschaft abzubrechen – etwas, das er später mit seiner schwachen Konstitution in Verbindung brachte. Trotz dieser schwierigen Ausgangslage bewies er von Kindheit an ein außergewöhnliches Interesse für Naturbeobachtung, Zahlen und logische Zusammenhänge. Er studierte zunächst in Pavia und später in Padua, wo er 1525 die Promotion in Medizin erlangte. Doch seine Karriere begann holprig: Seine uneheliche Herkunft und kontroverse Ansichten führten dazu, dass er mehrfach von universitären Anstellungen und akademischen Ehren ausgeschlossen wurde, trotz seines unbestrittenen Könnens in Diagnostik, Mathematik und theoretischer Naturphilosophie.
Cardano machte sich in Europa vor allem durch seine astrologischen Berechnungen und weitreichenden Vorhersagen einen Namen. Neben medizinischen und mathematischen Schriften erstellte er Horoskope für Gelehrte, Adlige und historische Persönlichkeiten, darunter auch ein aufschlussreiches astrologisches Profil des Dichters Francesco Petrarca. In seinen Deutungen setzte er sich kritisch mit den Arbeiten anderer Astrologen wie Luca Gaurico und Francesco Giuntini auseinander. Obwohl Cardano niemals in Krakau wirkte, lässt sich sein Schaffen im Kontext einer Zeit betrachten, in der diese Stadt ein bedeutendes intellektuelles Zentrum für Astronomie und Astrologie war. Die dortige Universität, seit dem Spätmittelalter ein Magnet für Gelehrte, stand in engem Austausch mit italienischen Hochschulen, und das geistige Klima wurde von Gestalten wie Nicolaus Copernicus geprägt, der in Krakau studierte, bevor er sein heliozentrisches Weltbild entwickelte.
Die astrologische Kultur in Krakau des 16. Jahrhunderts war eng mit präziser astronomischer Beobachtung verknüpft. Astrologie galt nicht als Aberglaube, sondern als angewandte Wissenschaft, genutzt zur Deutung individueller Schicksale, zur Planung politischer Entscheidungen und zur Beratung von Herrscherhäusern. Krakauer Mathematiker und Sterndeuter tauschten sich mit Kollegen in Italien, Deutschland und Frankreich aus, was zur Verfeinerung astrologischer Techniken führte. Disziplinen wie Medizin und Landwirtschaft wurden durch astrologische Kalender und Prognosen beeinflusst, und viele Gelehrte besaßen sowohl astronomische als auch medizinische Expertise – eine Verbindung, die auch in Cardanos Lebenswirklichkeit eine zentrale Rolle spielte.
So verkörpert Cardano das geistige Ideal der Renaissance: ein Universalgelehrter, der Mathematik, Medizin, Philosophie und Sternkunde miteinander verknüpfte und dessen Werke tiefe Spuren in der europäischen Gelehrtenwelt hinterließen. Auch wenn kein direkter Kontakt zu Krakau belegt ist, zeigen die intellektuellen Strömungen seiner Epoche, dass er Teil eines überregionalen Netzwerks von Denkern war, in dem astrologisches Wissen geographische und kulturelle Grenzen überschritt. Seine Autobiografie ist nicht nur eine Selbstschau, sondern zugleich ein historisches Dokument, das von den Hoffnungen, Spannungen und wissenschaftlichen Ambitionen einer ganzen Epoche Zeugnis ablegt.
Um Cardanos astrologisches Erbe tiefer zu verstehen, ist es essenziell, den breiteren Kontext der Astrologie in der Renaissance zu beleuchten, einer Zeit, in der Sternkunde nicht als esoterische Spekulation, sondern als integraler Bestandteil der Wissenschaft galt. Im 16. Jahrhundert war Astrologie in Europa eng mit der Astronomie verflochten, die sie als ihre "Tochter" betrachtete, und diente als Werkzeug zur Vorhersage von Ereignissen in Politik, Medizin und Alltag. Gelehrte wie Cardano prognostizierten nicht nur persönliche Schicksale, sondern auch Wetterbedingungen, wirtschaftliche Entwicklungen und den Verlauf von Kriegen, was die Astrologie zu einem unverzichtbaren Berater für Fürsten und Könige machte. Diese Praxis wurzelte in der antiken Tradition von Ptolemaios und den arabischen Übersetzungen des Mittelalters, die in der Renaissance neu belebt wurden, oft durch humanistische Übersetzungen und Kommentare. In Italien, dem Epizentrum der Renaissance, blühte die Astrologie besonders auf, da sie mit der Wiederentdeckung platonischer und hermetischer Texte einherging, die die Idee eines kosmischen Einflusses auf das Menschliche verstärkten. Marsilio Ficino, ein einflussreicher Philosoph in Florenz, integrierte astrologische Prinzipien in seine magisch-philosophischen Schriften und betonte die harmonische Verbindung zwischen Himmelskörpern und der menschlichen Seele, was Cardanos eigene Ansichten prägte. Die Kirche stellte sich dieser Praxis ambivalent gegenüber: Während päpstliche Bullen magische Anwendungen verurteilten, tolerierten viele Kleriker astrologische Beratungen, solange sie nicht deterministisch wirkten. Bis etwa 1650 blieb Astrologie ein fester Bestandteil der Universitätslehrpläne, bevor der Aufstieg der empirischen Wissenschaft und die Kopernikanische Revolution ihren Einfluss minderten.
Cardanos Zeitgenossen unter den Astrologen waren eine illustre Schar von Intellektuellen, die ähnlich wie er die Grenzen zwischen Wissenschaft, Philosophie und Okkultem ausloteten. Luca Gaurico (1445–1558), ein italienischer Zeitgenosse, den Cardano explizit kritisierte, war Hofastrologe Karls V. und prognostizierte mit berühmter Genauigkeit den Tod von König Heinrich II. von Frankreich – eine Vorhersage, die Nostradamus später in seinen Kryptogrammen aufgriff. Gaurico, der in Rom und Neapel wirkte, verfasste umfangreiche Tractate über natürliche und gerichtliche Astrologie und stand im Austausch mit Humanisten wie Pontano. Ebenso Francesco Giuntini (um 1530–1590), ein Florentiner Astrologe, der Cardanos Methoden in seinen eigenen Werken adaptierte und erweiterte, war bekannt für seine detaillierten Ephemeriden und Kalender, die auf präzisen astronomischen Beobachtungen basierten. In Nordeuropa ragte Johannes Schöner (1477–1577) heraus, ein Nürnberger Mathematiker und Astrologe, der Karten und Globen schuf und als Lehrer von Rheticus wirkte; seine Prognosen beeinflussten die Habsburger Hofkultur. Paul of Middelburg (1445–1534), ein niederländischer Astrologe in italienischem Exil, verknüpfte medizinische Astrologie mit galenischen Lehren und diente als Berater für päpstliche Kreise. Michel de Nostredame (1503–1566), der Nostradamus, erlangte durch seine vagen, prophetischen Quatrains Ruhm, die politische Ereignisse vorhersagten, und arbeitete als Arzt und Astrologe in Südfrankreich. Weitere Figuren wie Paride da Ceresara (1469–1525) in Italien oder Jean-Aimé de Chavigny (1523–1590) in Frankreich trugen zur Verbreitung astrologischer Techniken bei, oft durch dedizierte Werke zu Horoskopen und Konjunktionen. Diese Astrologen bildeten ein Netzwerk, das durch Briefe, Publikationen und Reisen verbunden war – Cardano selbst reiste 1552 nach Schottland, um den Erzbischof von St. Andrews zu beraten, und traf dort auf ähnliche Kreise. Ihre Methoden umfassten die Berechnung von Aspekten, Häusern und Planetenkonjunktionen, immer mit dem Ziel, das Kosmische mit dem Irdischen zu verweben.
Cardanos eigene astrologischen Werke, wie Liber XII Geniturarum oder seine Prognosen für Edward VI. von England, spiegeln diese Epoche wider: Er sah in den Sternen nicht nur Schicksal, sondern auch natürliche Ursachen, die mit seiner mechanistischen Naturphilosophie harmonierten. Seine Kritik an Gaurico und Giuntini zielte auf methodische Ungenauigkeiten ab, etwa bei der Interpretation von Mondaspekten, und unterstrich seinen Anspruch auf wissenschaftliche Präzision. In einer Zeit, in der Astrologie Kunst und Wissenschaft vereinte, positionierte sich Cardano als Brückenbauer: Seine Vorhersagen, darunter die korrekte Prognose des Todes von König Edward VI., gewannen ihm den Ruf eines "best-selling authors" in astrologischen Kreisen. Dennoch war er sich der Unsicherheiten bewusst, wie er in seiner Autobiografie reflektierte, wo er Fehlprognosen als Lernprozesse darstellte. Dieser Kontext erklärt, warum Cardanos Horoskop für Petrarca nicht nur biografisch, sondern auch als paradigmatisches Beispiel für renaissancistische Deutungskunst gilt – eine Synthese aus philologischer Humanistik und kosmischer Divination.
Die Renaissance-Astrologie war somit kein isoliertes Phänomen, sondern ein kulturelles Gewebe, das von Italien bis in die polnischen Lande reichte. Cardanos Einfluss erstreckte sich über seine direkten Schriften hinaus, da er die astrologische Praxis in Medizin und Mathematik einbettete: Seine Ars Magna enthält kubische Gleichungen, die er mit astrologischen Zyklen verknüpfte, und seine medizinischen Texte berücksichtigten planetarische Einflüsse auf Krankheiten. Zeitgenossen wie der Engländer John Dee (1527–1608), der später als Hofastrologe für Elisabeth I. diente, teilten Cardanos Universalismus und integrierten Astrologie in alchemistische und mathematische Experimente. Insgesamt markierte das 16. Jahrhundert den Höhepunkt der astrologischen Blüte, bevor der Siegeszug der neuen Astronomie – beeinflusst von Figuren wie Tycho Brahe und Kepler, die ebenfalls astrologisch geprägt waren – zu einer Trennung der Disziplinen führte. Cardano, als Prototyp des Renaissance-Astrologen, verkörperte diese Übergangsepoche: Ein Denker, der in den Sternen die Geheimnisse des Universums las und sie in die irdische Realität übersetzte.
Spezieller Zusatzanhang: Astrologie an der Universität Krakau im 16. Jahrhundert
Die Jagiellonen-Universität in Krakau, gegründet 1364, erlebte im 16. Jahrhundert ihren "goldenen Glanz" als Zentrum für Astronomie und Astrologie, das enge Verbindungen zu italienischen und deutschen Gelehrten pflegte. Bekannt als "Kraków is teeming with astrologers", zog die Stadt eine Fülle von Sterndeutern an, die Astrologie als angewandte Wissenschaft lehrten und praktizierten. Nicolaus Copernicus (1473–1543), der hier von 1491 bis 1495 studierte, wurde von diesem Milieu geprägt: Seine Ausbildung umfasste nicht nur Mathematik und Astronomie, sondern explizit Astrologie, die er später in seinen Werken implizit einfließen ließ, etwa bei der Kalenderreform. Copernicus' Lehrer, wie Albert Brudzewski (1445–1497), ein Astronom und Astrologe, vermittelten Kenntnisse in ptolemäischer Kosmologie und horoskopischer Deutung, was Copernicus' Kontakte zu nationalen Astrologen vertiefte.
Das Collegium Maius beherbergte eine Sammlung astronomischer Instrumente – darunter Astrolabien und Quadranten, die 1493 aus Buda stammten und vom Hofastrologen Matthias Corvinus gespendet wurden –, die für präzise Beobachtungen und astrologische Berechnungen genutzt wurden. Astrologie war in den Lehrplänen der Fakultäten für Artes liberales und Medizin verankert: Professoren wie Jan Brożek (1585–1652, später) oder Zeitgenossen erstellten Prognostika für polnische Könige, die politische Entscheidungen und militärische Kampagnen beeinflussten. Die Disziplin floss in medizinische Praxis ein, wo planetarische Positionen Therapien diktierten, und in die Landwirtschaft durch almanachartige Kalender. Im Austausch mit Italien – etwa durch Briefe zu Paduanern – verfeinerten Krakauer Gelehrte Techniken wie die Berechnung von Großen Konjunktionen, die als Omen für Epochenwechsel galten.
Trotz der kopernikanischen Revolution blieb Astrologie bis ins 17. Jahrhundert lebendig; Copernicus selbst galt als Astrologe, wie neuere Forschungen belegen, die seine frühen Kontakte in Krakau hervorheben. Dieses Zentrum unterstrich die europäische Vernetzung: Krakau als Brücke zwischen Ost und West, wo astrologisches Wissen – ähnlich Cardanos – Grenzen überschritt und die Renaissance-Wissenschaft bereicherte. wurzelte, jedoch besonders stark von der Astrologie geprägt war.
Er war nicht nur Arzt, Mathematiker, Naturphilosoph und Erfinder, sondern auch ein bedeutender Astrologe, dessen Prognosen und Horoskope bis in höchste politische Kreise Beachtung fanden. Seine Lebensgeschichte schilderte er in seiner Autobiografie Des Girolamo Cardano von Mailand eigene Lebensbeschreibung, einem Werk von außerordentlicher Selbstreflexion, das intime Einblicke in seine Gedankenwelt, seine Ambitionen und seine persönlichen Niederlagen gibt. Diese Autobiografie, erstmals 1885 von Hermann Hefele herausgegeben, ist heute unter dem englischen Titel The Book of My Life bekannt und wird oft gemeinsam mit weiteren autobiografischen Schriften und astrologischen Essays als Cardano’s Cosmos publiziert.
Geboren wurde Cardano in Pavia als unehelicher Sohn des Juristen und Mathematikers Fazio Cardano, der mit Persönlichkeiten der italienischen Humanisten- und Gelehrtenkreise verkehrte. Die Familie lebte in prekären Verhältnissen, und Cardano selbst schildert, dass seine Mutter versucht habe, die Schwangerschaft abzubrechen – etwas, das er später mit seiner schwachen Konstitution in Verbindung brachte. Trotz dieser schwierigen Ausgangslage bewies er von Kindheit an ein außergewöhnliches Interesse für Naturbeobachtung, Zahlen und logische Zusammenhänge. Er studierte zunächst in Pavia und später in Padua, wo er 1525 die Promotion in Medizin erlangte. Doch seine Karriere begann holprig: Seine uneheliche Herkunft und kontroverse Ansichten führten dazu, dass er mehrfach von universitären Anstellungen und akademischen Ehren ausgeschlossen wurde, trotz seines unbestrittenen Könnens in Diagnostik, Mathematik und theoretischer Naturphilosophie.
Cardano machte sich in Europa vor allem durch seine astrologischen Berechnungen und weitreichenden Vorhersagen einen Namen. Neben medizinischen und mathematischen Schriften erstellte er Horoskope für Gelehrte, Adlige und historische Persönlichkeiten, darunter auch ein aufschlussreiches astrologisches Profil des Dichters Francesco Petrarca. In seinen Deutungen setzte er sich kritisch mit den Arbeiten anderer Astrologen wie Luca Gaurico und Francesco Giuntini auseinander. Obwohl Cardano niemals in Krakau wirkte, lässt sich sein Schaffen im Kontext einer Zeit betrachten, in der diese Stadt ein bedeutendes intellektuelles Zentrum für Astronomie und Astrologie war. Die dortige Universität, seit dem Spätmittelalter ein Magnet für Gelehrte, stand in engem Austausch mit italienischen Hochschulen, und das geistige Klima wurde von Gestalten wie Nicolaus Copernicus geprägt, der in Krakau studierte, bevor er sein heliozentrisches Weltbild entwickelte.
Die astrologische Kultur in Krakau des 16. Jahrhunderts war eng mit präziser astronomischer Beobachtung verknüpft. Astrologie galt nicht als Aberglaube, sondern als angewandte Wissenschaft, genutzt zur Deutung individueller Schicksale, zur Planung politischer Entscheidungen und zur Beratung von Herrscherhäusern. Krakauer Mathematiker und Sterndeuter tauschten sich mit Kollegen in Italien, Deutschland und Frankreich aus, was zur Verfeinerung astrologischer Techniken führte. Disziplinen wie Medizin und Landwirtschaft wurden durch astrologische Kalender und Prognosen beeinflusst, und viele Gelehrte besaßen sowohl astronomische als auch medizinische Expertise – eine Verbindung, die auch in Cardanos Lebenswirklichkeit eine zentrale Rolle spielte.
So verkörpert Cardano das geistige Ideal der Renaissance: ein Universalgelehrter, der Mathematik, Medizin, Philosophie und Sternkunde miteinander verknüpfte und dessen Werke tiefe Spuren in der europäischen Gelehrtenwelt hinterließen. Auch wenn kein direkter Kontakt zu Krakau belegt ist, zeigen die intellektuellen Strömungen seiner Epoche, dass er Teil eines überregionalen Netzwerks von Denkern war, in dem astrologisches Wissen geographische und kulturelle Grenzen überschritt. Seine Autobiografie ist nicht nur eine Selbstschau, sondern zugleich ein historisches Dokument, das von den Hoffnungen, Spannungen und wissenschaftlichen Ambitionen einer ganzen Epoche Zeugnis ablegt.
Um Cardanos astrologisches Erbe tiefer zu verstehen, ist es essenziell, den breiteren Kontext der Astrologie in der Renaissance zu beleuchten, einer Zeit, in der Sternkunde nicht als esoterische Spekulation, sondern als integraler Bestandteil der Wissenschaft galt. Im 16. Jahrhundert war Astrologie in Europa eng mit der Astronomie verflochten, die sie als ihre "Tochter" betrachtete, und diente als Werkzeug zur Vorhersage von Ereignissen in Politik, Medizin und Alltag. Gelehrte wie Cardano prognostizierten nicht nur persönliche Schicksale, sondern auch Wetterbedingungen, wirtschaftliche Entwicklungen und den Verlauf von Kriegen, was die Astrologie zu einem unverzichtbaren Berater für Fürsten und Könige machte. Diese Praxis wurzelte in der antiken Tradition von Ptolemaios und den arabischen Übersetzungen des Mittelalters, die in der Renaissance neu belebt wurden, oft durch humanistische Übersetzungen und Kommentare. In Italien, dem Epizentrum der Renaissance, blühte die Astrologie besonders auf, da sie mit der Wiederentdeckung platonischer und hermetischer Texte einherging, die die Idee eines kosmischen Einflusses auf das Menschliche verstärkten. Marsilio Ficino, ein einflussreicher Philosoph in Florenz, integrierte astrologische Prinzipien in seine magisch-philosophischen Schriften und betonte die harmonische Verbindung zwischen Himmelskörpern und der menschlichen Seele, was Cardanos eigene Ansichten prägte. Die Kirche stellte sich dieser Praxis ambivalent gegenüber: Während päpstliche Bullen magische Anwendungen verurteilten, tolerierten viele Kleriker astrologische Beratungen, solange sie nicht deterministisch wirkten. Bis etwa 1650 blieb Astrologie ein fester Bestandteil der Universitätslehrpläne, bevor der Aufstieg der empirischen Wissenschaft und die Kopernikanische Revolution ihren Einfluss minderten.
Cardanos Zeitgenossen unter den Astrologen waren eine illustre Schar von Intellektuellen, die ähnlich wie er die Grenzen zwischen Wissenschaft, Philosophie und Okkultem ausloteten. Luca Gaurico (1445–1558), ein italienischer Zeitgenosse, den Cardano explizit kritisierte, war Hofastrologe Karls V. und prognostizierte mit berühmter Genauigkeit den Tod von König Heinrich II. von Frankreich – eine Vorhersage, die Nostradamus später in seinen Kryptogrammen aufgriff. Gaurico, der in Rom und Neapel wirkte, verfasste umfangreiche Tractate über natürliche und gerichtliche Astrologie und stand im Austausch mit Humanisten wie Pontano. Ebenso Francesco Giuntini (um 1530–1590), ein Florentiner Astrologe, der Cardanos Methoden in seinen eigenen Werken adaptierte und erweiterte, war bekannt für seine detaillierten Ephemeriden und Kalender, die auf präzisen astronomischen Beobachtungen basierten. In Nordeuropa ragte Johannes Schöner (1477–1577) heraus, ein Nürnberger Mathematiker und Astrologe, der Karten und Globen schuf und als Lehrer von Rheticus wirkte; seine Prognosen beeinflussten die Habsburger Hofkultur. Paul of Middelburg (1445–1534), ein niederländischer Astrologe in italienischem Exil, verknüpfte medizinische Astrologie mit galenischen Lehren und diente als Berater für päpstliche Kreise. Michel de Nostredame (1503–1566), der Nostradamus, erlangte durch seine vagen, prophetischen Quatrains Ruhm, die politische Ereignisse vorhersagten, und arbeitete als Arzt und Astrologe in Südfrankreich. Weitere Figuren wie Paride da Ceresara (1469–1525) in Italien oder Jean-Aimé de Chavigny (1523–1590) in Frankreich trugen zur Verbreitung astrologischer Techniken bei, oft durch dedizierte Werke zu Horoskopen und Konjunktionen. Diese Astrologen bildeten ein Netzwerk, das durch Briefe, Publikationen und Reisen verbunden war – Cardano selbst reiste 1552 nach Schottland, um den Erzbischof von St. Andrews zu beraten, und traf dort auf ähnliche Kreise. Ihre Methoden umfassten die Berechnung von Aspekten, Häusern und Planetenkonjunktionen, immer mit dem Ziel, das Kosmische mit dem Irdischen zu verweben.
Cardanos eigene astrologischen Werke, wie Liber XII Geniturarum oder seine Prognosen für Edward VI. von England, spiegeln diese Epoche wider: Er sah in den Sternen nicht nur Schicksal, sondern auch natürliche Ursachen, die mit seiner mechanistischen Naturphilosophie harmonierten. Seine Kritik an Gaurico und Giuntini zielte auf methodische Ungenauigkeiten ab, etwa bei der Interpretation von Mondaspekten, und unterstrich seinen Anspruch auf wissenschaftliche Präzision. In einer Zeit, in der Astrologie Kunst und Wissenschaft vereinte, positionierte sich Cardano als Brückenbauer: Seine Vorhersagen, darunter die korrekte Prognose des Todes von König Edward VI., gewannen ihm den Ruf eines "best-selling authors" in astrologischen Kreisen. Dennoch war er sich der Unsicherheiten bewusst, wie er in seiner Autobiografie reflektierte, wo er Fehlprognosen als Lernprozesse darstellte. Dieser Kontext erklärt, warum Cardanos Horoskop für Petrarca nicht nur biografisch, sondern auch als paradigmatisches Beispiel für renaissancistische Deutungskunst gilt – eine Synthese aus philologischer Humanistik und kosmischer Divination.
Die Renaissance-Astrologie war somit kein isoliertes Phänomen, sondern ein kulturelles Gewebe, das von Italien bis in die polnischen Lande reichte. Cardanos Einfluss erstreckte sich über seine direkten Schriften hinaus, da er die astrologische Praxis in Medizin und Mathematik einbettete: Seine Ars Magna enthält kubische Gleichungen, die er mit astrologischen Zyklen verknüpfte, und seine medizinischen Texte berücksichtigten planetarische Einflüsse auf Krankheiten. Zeitgenossen wie der Engländer John Dee (1527–1608), der später als Hofastrologe für Elisabeth I. diente, teilten Cardanos Universalismus und integrierten Astrologie in alchemistische und mathematische Experimente. Insgesamt markierte das 16. Jahrhundert den Höhepunkt der astrologischen Blüte, bevor der Siegeszug der neuen Astronomie – beeinflusst von Figuren wie Tycho Brahe und Kepler, die ebenfalls astrologisch geprägt waren – zu einer Trennung der Disziplinen führte. Cardano, als Prototyp des Renaissance-Astrologen, verkörperte diese Übergangsepoche: Ein Denker, der in den Sternen die Geheimnisse des Universums las und sie in die irdische Realität übersetzte.
Spezieller Zusatzanhang: Astrologie an der Universität Krakau im 16. Jahrhundert
Die Jagiellonen-Universität in Krakau, gegründet 1364, erlebte im 16. Jahrhundert ihren "goldenen Glanz" als Zentrum für Astronomie und Astrologie, das enge Verbindungen zu italienischen und deutschen Gelehrten pflegte. Bekannt als "Kraków is teeming with astrologers", zog die Stadt eine Fülle von Sterndeutern an, die Astrologie als angewandte Wissenschaft lehrten und praktizierten. Nicolaus Copernicus (1473–1543), der hier von 1491 bis 1495 studierte, wurde von diesem Milieu geprägt: Seine Ausbildung umfasste nicht nur Mathematik und Astronomie, sondern explizit Astrologie, die er später in seinen Werken implizit einfließen ließ, etwa bei der Kalenderreform. Copernicus' Lehrer, wie Albert Brudzewski (1445–1497), ein Astronom und Astrologe, vermittelten Kenntnisse in ptolemäischer Kosmologie und horoskopischer Deutung, was Copernicus' Kontakte zu nationalen Astrologen vertiefte.
Das Collegium Maius beherbergte eine Sammlung astronomischer Instrumente – darunter Astrolabien und Quadranten, die 1493 aus Buda stammten und vom Hofastrologen Matthias Corvinus gespendet wurden –, die für präzise Beobachtungen und astrologische Berechnungen genutzt wurden. Astrologie war in den Lehrplänen der Fakultäten für Artes liberales und Medizin verankert: Professoren wie Jan Brożek (1585–1652, später) oder Zeitgenossen erstellten Prognostika für polnische Könige, die politische Entscheidungen und militärische Kampagnen beeinflussten. Die Disziplin floss in medizinische Praxis ein, wo planetarische Positionen Therapien diktierten, und in die Landwirtschaft durch almanachartige Kalender. Im Austausch mit Italien – etwa durch Briefe zu Paduanern – verfeinerten Krakauer Gelehrte Techniken wie die Berechnung von Großen Konjunktionen, die als Omen für Epochenwechsel galten.
Trotz der kopernikanischen Revolution blieb Astrologie bis ins 17. Jahrhundert lebendig; Copernicus selbst galt als Astrologe, wie neuere Forschungen belegen, die seine frühen Kontakte in Krakau hervorheben. Dieses Zentrum unterstrich die europäische Vernetzung: Krakau als Brücke zwischen Ost und West, wo astrologisches Wissen – ähnlich Cardanos – Grenzen überschritt und die Renaissance-Wissenschaft bereicherte.
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